Google hat das September-Spam-Update am 24. September um 9:15 Uhr pazifischer Zeit im Search Status Dashboard eingetragen. Der Eintrag ist knapp: Das Update gelte global und für alle Sprachen, der Rollout könne bis zu zwei Wochen dauern. Einen Blogbeitrag, eine Richtlinienänderung oder Angaben zum Anteil betroffener Suchanfragen gab es nicht. Auffällig ist die Dauer. Das März-Update war nach 19,5 Stunden durch, das Juni-Update nach 48 Stunden, das August-Update nach drei Tagen. Vierzehn Tage sind für ein Spam-Update neu, und sie ändern vor allem, wie man die eigenen Daten in dieser Zeit lesen muss.
Welche Richtlinien betroffen sind
Spam-Updates sind keine Core Updates. Sie verschärfen die Durchsetzung bestehender Spam-Richtlinien, und Google setzt dafür SpamBrain ein, das eigene System zur maschinellen Spam-Erkennung. PPC Land nennt für dieses Update sechs Richtlinien im Fokus: Expired Domain Abuse, Scaled Content Abuse, Site Reputation Abuse, Doorway Abuse, Back Button Hijacking sowie gefälschte oder nicht offengelegte, durch Anreize erkaufte Bewertungen. In der Praxis spielt für Werbetreibende vor allem Scaled Content Abuse eine Rolle, also das massenhafte Erzeugen austauschbarer Seiten mit geringem Nutzen. Google bewertet dabei nicht die Produktionsmethode, sondern das Ergebnis. Ob eine Seitenfamilie per KI, per Scraping oder von freien Textern im Akkord entstanden ist, macht für die Einordnung keinen Unterschied, und genau deshalb hilft der Hinweis auf menschliche Autorenschaft bei dünnen Seiten überhaupt nicht.
Die zweite Welle am 30. September
Der Rollout kam in Schüben. Das erste Wochenende vom 25. bis 27. September brachte nach Angaben der großen Volatilitäts-Tools starke Ausschläge. Glenn Gabe beschrieb gegenüber Search Engine Roundtable „big drops across a number of sites“ und ordnete sie als branchen- und länderübergreifend ein. Dann beruhigte sich die Lage für zwei Tage, bevor am 30. September und 1. Oktober eine zweite Welle folgte. Gabe dazu: „I received emails from several site owners explaining they saw a huge drop right on 9/30.“ Die Muster in den Berichten sind erkennbar. Stark templatisierte, programmatisch erzeugte Seitenbestände haben verloren, etwa eine eigene Seite pro Telefonvorwahl, dazu Projekte mit sehr großen maschinell erzeugten Textarchiven. Grokipedia verlor nach denselben Auswertungen deutlich an Sichtbarkeit. Gleichzeitig gewannen Reddits KI-übersetzte Inhalte in mehreren Ländern wieder, darunter Deutschland, Italien, Brasilien und Frankreich. Wer dieses Update als Abrechnung mit maschinell erstellten Texten liest, liegt also daneben.
Der europäische Sonderfall
Parallel läuft eine Änderung, die in der deutschen Berichterstattung kaum vorkam. Seit dem 30. August 2026 wendet Google manuelle Maßnahmen wegen Site Reputation Abuse für Nutzer im Europäischen Wirtschaftsraum nicht mehr an. Auslöser war eine Untersuchung der Europäischen Kommission. Google formuliert, man habe sich bereit erklärt, den Durchsetzungsansatz für Nutzer in Europa zu ändern. Statt die betroffenen Bereiche einer Website abzustrafen, werden sie laut Search Engine Land „separated in our systems so that, over time, it ranks independently from the rest of the site“. Benachrichtigungen in der Search Console gibt es weiterhin, Anträge auf erneute Überprüfung ebenfalls, nur die Rankingfolge bleibt für Suchende im EWR aus. Die Kern-Durchsetzung gegen Spam werde in Europa dadurch nicht ausgesetzt oder abgeschwächt, betont Google. Für die Praxis bedeutet das: Dieselbe Website kann in den USA abgestraft sein und in Deutschland unverändert ranken. Wer Rankings mit Tools auf US-Standorten prüft, sieht ab jetzt womöglich etwas anderes als der eigene Kunde in Ravensburg.
Was jetzt zu prüfen ist
Der erste Reflex bei Volatilität ist der falsche. Innerhalb eines zweiwöchigen Rollouts lässt sich an einem einzelnen Tag nichts ablesen, und wer am 1. Oktober anfängt, Seiten zu löschen, arbeitet gegen ein System, das noch mitten in der Ausrollung steckt. Sinnvoll ist, den 24. und den 30. September als Marker in die Search-Console-Auswertung zu legen und Wochen gegen Wochen zu vergleichen statt Tage gegen Tage. Danach lohnt der nüchterne Blick auf die Seitentypen, die in Mittelstandsprojekten regelmäßig zum Problem werden. Ganz oben stehen Ortschafts- und Keyword-Landingpages aus einem Template, bei denen sich zwischen zwei Seiten nur der Ortsname ändert. Dazu kommen Blogarchive, die in kurzer Zeit maschinell gefüllt wurden und seit der Veröffentlichung niemand mehr angefasst hat. Wer abgestraft wurde, braucht Geduld: Die Erholung nach einer Spam-Richtlinienverletzung dauert Monate, weil Googles Systeme die Korrektur erst über Zeit erkennen.
In unseren Projekten sehen wir das Template-Muster häufiger als die KI-Textflut, über die gerade diskutiert wird. Regionale Landingpages pro Ortschaft sind in der Immobilien- und Handwerksbranche seit Jahren Standard, oft aus einer Zeit, in der das noch funktioniert hat. Fünfzig Seiten mit demselben Text und wechselndem Ortsnamen fallen heute unter Scaled Content Abuse, unabhängig davon, wann und womit sie gebaut wurden. Die Konsolidierung auf wenige, inhaltlich eigenständige Seiten ist dann die Arbeit, die ansteht, und sie ist unangenehm, weil sie kurzfristig Sichtbarkeit kostet. Zum Vorsortieren eignen sich die Seiten, die in der Search Console seit Monaten Impressionen ohne Klicks sammeln. Welche Maßnahmen im Umfeld der KI-Suche tatsächlich tragen, haben wir für SEO an anderer Stelle aufgeschrieben.
