Vier Verlierer auf einen Gewinner — was Googles März-Update bedeutet
Zwischen 27. März und 8. April hat Google still und leise viele deutsche Websites neu sortiert. Die Bilanz fällt eindeutig aus — und wer jetzt Traffic verliert, sollte die Ursache nicht in einem schlechten Tag suchen.
In den letzten zwei Wochen kamen mehrere Anfragen von Bestandskunden bei uns rein, die alle die gleiche Frage hatten: Warum bricht unser Traffic gerade ein, wir haben doch nichts geändert? Die Antwort steckt nicht in einem Fehler auf der Website, sondern in einem Update, das die meisten Unternehmer gar nicht mitbekommen haben.
Google hat zwischen dem 27. März und dem 8. April das erste große Core Update des Jahres ausgerollt. Die Auswertung von SISTRIX, einem der wichtigsten SEO-Datenanbieter im DACH-Raum, ist ungewöhnlich klar: Auf jeden Gewinner kommen vier Verlierer. Und das Muster dahinter ist nicht zufällig — Google verschiebt Sichtbarkeit weg von austauschbaren Anbietern hin zu Quellen, die als autoritativ gelten. Offizielle Websites, etablierte Marken, Marktführer gewinnen. Generische Shops, Tools und Foren verlieren. Im E-Commerce sieht es noch deutlicher aus: Über die Hälfte aller Shops ist von Ranking-Verschiebungen betroffen. Gleichzeitig zeigen die Daten, dass Shops mit starken Vertrauenssignalen rund 23 Prozent mehr Sichtbarkeit haben als vorher. Die Schere geht also auseinander.
Was Google diesmal anders bewertet
Das März-Update fährt eine Linie weiter, die Google seit Ende 2025 konsequent verfolgt: Inhalte mit echter Substanz werden besser sichtbar, Inhalte ohne erkennbaren Mehrwert verlieren. Klingt einfach, ist es aber nicht — denn die Bewertung erfolgt nicht über einzelne Seiten, sondern über die Gesamtqualität einer Domain. Das bedeutet konkret: Wer hundert gute Artikel hat, aber daneben tausend dünne, generische Texte, fällt mit der gesamten Domain ab. Wer dagegen weniger, aber dafür substanzielle Inhalte produziert, mit klarer Autorenschaft, echter Erfahrung und sichtbarer Expertise, profitiert. Der bekannte Fachbegriff dafür ist E-E-A-T — Erfahrung, Expertise, Autorität, Vertrauenswürdigkeit. Praktisch heißt das: Google fragt sich, ob hinter einer Website ein echter Mensch mit echtem Wissen steht oder eine austauschbare Content-Maschine.
Auch die technische Seite zählt mehr als früher. Wenn zwei Seiten inhaltlich gleichauf liegen, gibt die schnellere und sauberer gebaute Seite den Ausschlag. Ladezeiten unter zweieinhalb Sekunden, stabile Layouts ohne springende Elemente, kurze Reaktionszeiten — das ist heute keine Kür mehr, sondern die Voraussetzung dafür, überhaupt im Spiel zu bleiben.
Was wir aus der Praxis sehen
In unserer Beratung erleben wir gerade zwei Reaktionen. Die einen Kunden sehen den Traffic-Einbruch und wollen schnell etwas tun, am besten gestern. Die anderen merken den Rückgang gar nicht, weil sie ohnehin selten in die Search Console schauen. Beide Reaktionen sind nachvollziehbar, beide führen aber selten zu guten Entscheidungen. Was wirklich hilft, ist eine ehrliche Bestandsaufnahme. Welche Seiten haben verloren? Welche haben gewonnen? Was ist der inhaltliche Unterschied? Manchmal stellt sich heraus, dass eine Website über Jahre mit oberflächlichen Texten gefüllt wurde, weil das mal SEO-Strategie war. Heute ist genau das ein Problem. Manchmal liegt es an technischen Dingen — fehlende strukturierte Daten, langsame Ladezeiten, unklare Heading-Struktur. Und manchmal ist die Ursache so simpel wie ein fehlender Autorenname unter dem Artikel.
Was uns dabei wichtig ist: Ein Core Update ist keine Strafe. Es ist eine Neubewertung. Wer in den nächsten Wochen die richtigen Hebel zieht, kann mit dem nächsten Update — und das kommt erfahrungsgemäß im Sommer — auch wieder gewinnen. Wer aber weitermacht wie bisher, verliert beim nächsten Mal nochmal. Genau deshalb sprechen wir Kunden, deren Sichtbarkeit gerade auffällig schwankt, aktuell aktiv darauf an. Nicht alle reagieren, aber die, die es tun, haben einen messbaren Vorsprung gegenüber denen, die abwarten.
