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Werbung in ChatGPT: Warum die ersten Zahlen Werbetreibende ernüchtern

OpenAI hat Werbung in ChatGPT eingeführt – doch die ersten Performance-Daten fallen weit hinter die Erwartungen zurück. Was bedeutet das für das Marketing der Zukunft?

Als OpenAI im Februar 2026 ankündigte, Werbeanzeigen in ChatGPT zu integrieren, war die Begeisterung in der Branche kaum zu bremsen. Drei der weltweit größten Agentur-Netzwerke – WPP, Omnicom und Dentsu – sicherten sich sofort Plätze im Pilotprogramm. Die Mindestinvestition: 200.000 US-Dollar, der Tausender-Kontaktpreis liegt bei rund 60 Dollar – etwa dreimal so hoch wie bei Meta. Die Erwartung war klar: Wer Menschen genau in dem Moment erreicht, in dem sie eine KI um Rat fragen, erreicht sie in einer Phase höchster Aufmerksamkeit und konkreter Kaufabsicht. Das klingt nach dem Traum eines jeden Werbetreibenden.

Doch nach mehreren Wochen im Testbetrieb zeichnen die ersten unabhängigen Zahlen ein deutlich nüchterneres Bild. Die KI-Analyseplattform Adthena, die täglich über 40.000 Eingaben in großen Sprachmodellen auswertet, hat bei einem ihrer Kunden eine Klickrate von gerade einmal 0,91 Prozent gemessen. Im selben Marktsegment liegt die Google-Search-Benchmark bei 6,4 Prozent – das entspricht knapp dem Siebenfachen. Ein anderer Werbetreibender aus dem Enterprise-Bereich konnte nach mehreren Wochen lediglich drei Prozent seines Budgets von 250.000 Dollar tatsächlich ausgeben. Die Plattform lieferte schlicht nicht genug Volumen, um das investierte Geld in Reichweite umzuwandeln. Erschwerend kommt hinzu, dass Marken derzeit nicht einmal in der Lage sind, ihre eigenen Kampagnendaten zuverlässig auszuwerten. Das Reporting beschränkt sich auf wöchentliche CSV-Dateien mit Impressionen und Klicks – eine Attribution, wie sie Werbetreibende aus dem Google- oder Meta-Ökosystem gewohnt sind, gibt es nicht. Hinzu kam ein technischer Fehler im Ad Manager, der den Zugriff auf die ohnehin knappen Daten zeitweise komplett blockierte. Ohne belastbare Daten keine Optimierung, ohne Optimierung keine Verbesserung der Performance – ein Kreislauf, der Werbetreibende verständlicherweise frustriert.

Bewusst langsam oder zu langsam?

OpenAI betont, dass die zurückhaltende Einführung Absicht sei. Man befinde sich in einer frühen Testphase und wolle die Erfahrung für Nutzerinnen und Nutzer erst optimieren, bevor man das Programm ausweite. Die Anzeigen erscheinen ausschließlich bei US-Nutzern der kostenlosen Version und des günstigeren Go-Abonnements – wer für Plus, Pro oder Enterprise zahlt, sieht keine Werbung. Laut Schätzungen des Analysehauses Sensor Tower werden die Anzeigen aktuell nur etwa fünf Prozent der mobilen Nutzer ausgespielt, zu Monatsbeginn war es noch ein Prozent. Für Agenturen und Werbetreibende entsteht dadurch eine paradoxe Situation: Die Budgets sind gebunden, Einblicke bleiben begrenzt, und das versprochene Lernpotenzial lässt sich bei so geringer Auslieferung kaum realisieren. Mehrere Branchenquellen berichten, dass Partner zunehmend unzufrieden sind – nicht weil sie das Potenzial der Plattform bezweifeln, sondern weil das Tempo der Umsetzung hinter dem Hype zurückbleibt.

Das Paradox des KI-Werbemarkts

Was die aktuelle Situation so bemerkenswert macht, ist der Kontrast zum Gesamtmarkt. KI-gestützte Werbung wächst 2026 laut Analysten um 63 Prozent auf ein Volumen von 57 Milliarden US-Dollar. Plattformen wie Googles Performance Max und Metas Advantage+ automatisieren Targeting, Gebote und Budgets mit immer weniger menschlichem Eingriff – und die meisten Werbetreibenden wählen Performance über Kontrolle, wenn sie die Wahl haben. Die Richtung ist also eindeutig, aber das bedeutet nicht, dass jede neue Werbefläche automatisch funktioniert.

ChatGPT steht vor einer grundlegenden Herausforderung: Das Gesprächsformat hält Nutzerinnen und Nutzer in der Anwendung. Anders als bei einer Google-Suche, wo der Klick auf ein externes Ergebnis zum erwarteten Verhalten gehört, erhalten die Menschen in einem KI-Chat bereits die Antwort, die sie suchen. Die Motivation, dann noch auf eine Anzeige zu klicken, ist strukturell geringer. Unabhängige Analysen von Ahrefs und ppc.land schätzen die generelle Klickrate in ChatGPT auf etwa 1,3 Prozent – verglichen mit rund 29 Prozent bei Google Search. Das ist kein Bug, sondern ein Merkmal konversationeller KI-Interfaces. Für uns als Werbeagentur ist die Entwicklung trotzdem alles andere als uninteressant. Denn auch wenn die heutigen Zahlen ernüchternd wirken, testet OpenAI gerade ein völlig neues Werbeformat. Die Anzeigen werden nicht auf Basis von Nutzerprofilen oder Cookies ausgespielt, sondern rein kontextuell – basierend auf dem, was jemand gerade fragt. Keine Drittanbieter-Daten, kein Tracking-Verlauf, nur die aktuelle Frage und die dahinterliegende Absicht. In einer Welt, in der Cookie-basiertes Targeting zunehmend eingeschränkt wird, könnte genau das langfristig ein entscheidender Vorteil sein.

Die nächsten Monate werden zeigen, ob OpenAI die technische Infrastruktur so weiterentwickeln kann, dass aus dem Premium-Experiment ein skalierbarer Werbekanal wird. Wer jetzt einsteigt, sammelt Erfahrungswerte, die sich später schwer nachholen lassen. Wer abwartet, riskiert nichts – verpasst aber möglicherweise den Zeitpunkt, an dem sich die Spielregeln für Werbung in KI-Interfaces endgültig etablieren.